Design im KI-Zeitalter

Zwischen digitaler Magie und menschlicher Relevanz

Inhalt des Beitrags 

Ich bin ein Fan. Tools wie ChatGPT, Claude, Gemini oder Midjourney faszinieren mich jeden Tag aufs Neue. Die Möglichkeiten, die sie uns eröffnen, sind schlichtweg überwältigend und ich nutze sie mit großer Begeisterung in meinem Alltag.
Immer wenn ich mich mit Dietmar Walser treffe, zeigt er mir total begeistert seine Systeme, in denen er KI-Agents gegeneinander und miteinander arbeiten lässt und damit erstaunliche Ergebnisse erzielt. Das fasziniert mich.

Doch während wir diese technologische Revolution feiern, beobachte ich eine Entwicklung, die mir zu denken gibt: Es geht um die Frage, wie wir diese Werkzeuge einsetzen – und wie viel unserer eigenen Urteilskraft wir dabei abgeben.

Ein Moment der Irritation (und was ich daraus gelernt habe)

Kürzlich arbeitete ich an einem Herzensprojekt. Wer im Design tätig ist, kennt das: Es ist ein stunden- oder tagelanger, intensiver Prozess aus Geistesblitzen, Zweifeln, endloser Inspiration und ja, auch mal einem verspannten Rücken vom langen Feilen am Detail.

Als Antwort auf meinen Entwurf erhielt ich vom Kunden eine KI-generierte Analyse: 13 Vorschläge, wie wir aus Sicht der KI das Produkt noch besser machen könnten.

Mein erster Impuls? Verwirrung. Dann ein kurzer Moment des Ärgers. Doch nach einem klärenden Gespräch und mit etwas Abstand wurde mir klar: Dieses Erlebnis ist symptomatisch. Nicht für die KI selbst, sondern für unseren Umgang mit ihr.

Was KI kann – und was sie uns (nicht) abnimmt

KI ist ein statistisches Wunderwerk. Sie erkennt Muster, gleicht Normen ab und schlägt Optimierungen auf Basis gigantischer Datenmengen vor. Aber:

  • KI liefert keine Kritik, sondern Möglichkeiten.
  • Sie hat keine Intuition, keine Haltung und kein ästhetisches Empfinden.

Das eigentliche Problem entsteht durch eine schleichende „Autoritätsübertragung“. Die KI behauptet nicht: „Das ist richtig.“ Aber wir Menschen neigen dazu, zu denken: „Die KI hat es gesagt, also muss oder könnte es relevant sein.“

Der entscheidende Punkt: KI produziert Quantität. Relevanz hingegen entsteht erst durch menschliche Beurteilung.

Die wirtschaftliche Kehrseite

In meinem Beispiel investierte der Kunde wenige Minuten in einen Prompt und leitete das Ergebnis ungefiltert weiter. Ich investierte fast eine Stunde, um jeden Punkt gewissenhaft zu prüfen. Das Ergebnis? Zwei Texte wurden minimal vergrößert.

Es gab keinen spürbaren Mehrwert für die Zielgruppe und keinen echten Qualitätsgewinn. Aber der Aufwand wurde um eine Stunde erhöht. Wofür? Vielleicht für den Gewinn von Sicherheit, nichts übersehen zu haben oder die Faszination am vermeintlichen Nutzen, den die Analyse in ein paar Sekunden gebracht hat. Hier wird Arbeit produziert, nicht eingespart. Das Produkt ist teurer geworden. Echte Effizienz sieht für mich anders aus.

Gestaltung ist Entscheidung, nicht Optimierung

Gutes Design entsteht nicht durch das Abarbeiten von Checklisten. Es lebt von bewussten Entscheidungen:

  • Menschliche Gestaltung bedeutet: Bedürfnisse verstehen, Prioritäten setzen, bewusstes Weglassen und die ganz persönliche Handschrift.
  • KI-Bewertung basiert auf: Mittelwerten, Normen und formaler Glättung.

Wenn wir jede KI-Anmerkung ungefiltert umsetzen, landen wir am Ende unweigerlich beim Durchschnitt.

Ein Plädoyer für ein Miteinander auf Augenhöhe

Es ist absolut legitim und bereichert den Prozess, KI als „Sparringspartner“ für eine zweite Meinung zu nutzen. Wenn ein Auftraggeber aus 13 Vorschlägen zwei gezielt auswählt und diese konstruktiv diskutiert, ist das wertvoll!

Schwierig wird es dort, wo wir Verantwortung an die Maschine delegieren. Wo wir die KI zum Schiedsrichter machen und Gestaltung auf formale Korrektheit reduzieren. Damit entwerten wir die menschliche Urteilskraft auf beiden Seiten.

Warum tun wir das? Vielleicht aus Unsicherheit, Zeitdruck oder der Hoffnung auf die perfekte Absicherung. Das ist zutiefst menschlich. Aber es entbindet uns nicht von der Verantwortung für das Ergebnis.

Warum wir (gerade jetzt) kreativ sein sollten

Kreative Berufe stehen unter Druck – das ist spürbar. Doch inmitten von Skalierbarkeit und Algorithmen dürfen wir das Wesentliche nicht vergessen: menschliche Vielfalt und kulturellen Ausdruck.

Warum machen wir noch Musik? Warum malen, fotografieren oder gestalten wir? Weil es zu unserem Kern als Menschen gehört.

Mein Wunsch für unsere digitale Zukunft:

  • Trauen wir unserem eigenen Gefühl wieder mehr.
  • Treffen wir mutige, eigene Entscheidungen.
  • Prüfen wir KI-Vorschläge kritisch, statt sie unreflektiert zu übernehmen.
  • Nutzen wir die Technik, um uns zu ergänzen – nicht, um uns zu ersetzen.

Ich freue mich darauf!

Michael Schnedl

Michael Schnedl

Ich unterstütze seit über 20 Jahren Unternehmen dabei, sichtbar und erfolgreich zu werden. Mein Fokus liegt dabei darauf, eure Produkte so zu vermarkten, dass ihr sie nicht über den Preis verkaufen müsst.

Als Techniker mit viel Marketingerfahrung spreche ich eure Sprache, denke aber wie eure Kunden.

Bei mir gibt's Strategie, Design und Umsetzung aus einer Hand.

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